Woher stammt Legal English? Warum ist Legal English so kompliziert?

Die Ursprünge von Legal English gehen auf die Schlacht von Hastings im Jahre 1066 zurück. Nach der Eroberung zog Normannisch (Nordfranzösisch) in die englische Rechtssprache ein. Spätere Anwälte waren sich häufig nicht sicher, ob das normannische Wort die gleiche Bedeutung hat wie das englische. Deswegen begannen Ihre „Clerks“ oder Angestellte vorsichtshalber beide Wörter in Verträge aufzunehmen. Sie wollten sicherzustellen, dass keine widersprüchlichen Aussagen bzw. Unklarheiten aufkamen. Schließlich wurden sie damals pro Wort bezahlt und verdienten durch langatmige Sätze ein höheres Salär. Jene Phrasen werden auch z.T. heutzutage noch verwendet.[1]

Der Unterschied zwischen der Alltagssprache und der damaligen Juristensprache

Rechtsbegriffe existieren in der Alltagssprache kaum, denn sie sind Bestandteil eines rechtswissenschaftlichen Gebilde. Demzufolge müssen zunächst das Grundkonzept, dann die abstrakten Begriffe und letztendlich die Phrasen entwickelt und verstanden werden.[2] Somit muss das interpretierte Konzept auf die Alltagswelt übertragen werden. Um diese komplexen Gedanken- und Interpretationsschritte zu vermeiden und auch den Bürgern ein besseres Verständnis für juristische Texte zu ermöglichen, entstand eine vereinfachte juristische Gebrauchssprache. Die spätere Reduzierung in Der Form von „Plain Legal English“ kennzeichnet sich durch folgende Elemente[3]:

  • Keine archaischen und lateinischen Ausdrücke
  • Verzicht auf unnötige Wörter, zum Beispiel „null and void “ wurde auf ein Wort „void“ gekürzt
  • Beinhaltet eine „zweckgebundene“ Klausel am Textanfang
  • Reduzierte Verwendung des Passivs
  • Reduzierte Verwendung von Nominalisierungen
  • Das Modalverb „shall“ wird immer öfter durch „must“ oder „is/are to“ oder „will“ oder „Präsens“ ersetzt.
  • Der Text ist geschlechtsneutral

Die Reform zur juristischen Gebrauchssprache

Juristenenglisch in englischsprachigen Ländern – Legalese  oder Legal English – wurde weitgehend bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts in Verträgen benutzt. Erst ab dem Jahr 1975 fand eine Reform in Richtung einer vereinfachten juristischen Gebrauchssprache (Plain Legal English) statt. Letztere sollte eine bürgernahe Kommunikation ermöglichen und Vertragsinhalte verständlicher machen. Die juristische Gebrauchssprache bediente sich dabei kürzerer Sätze und fügte nummerierte Paragraphen hinzu. Dieses Konzept fand in die Universitäten Einzug und wurde in den 90er Jahren obligatorisch für viele Verbrauchervereinbarungen wurde.

Laut Christopher Williams fanden im UK und den USA hinsichtlich der juristischen Gebrauchssprache größere Fortschritte als in der EU oder der UN statt.[4] Man kann trotzdem in den letzteren Organisationen eine Veränderung feststellen. So verwendet die UN die bürgernahe juristische Gebrauchssprache hauptsächlich für didaktische Zwecke, während in der EU eine Diskussion bezüglich einer Formulierungsreform in Gange gesetzt wurde.

Warum Juristensprache dennoch wichtig ist und auch heute noch verwendet wird

Nichtsdestotrotz ist es für praktizierende Juristen heutzutage notwendig, sich mit beiden Gebrauchsformen vertraut zu machen. Selbst wenn es einen Schritt in Richtung Modernisierung einer Rechtssprache gibt und im Laufe der Jahre beachtliche Fortschritte erzielt wurden, ist da Juristenenglisch nach wie vor Teil des Berufsalltags. Nach Heyman[5] kann es dafür drei verschiedene Ursachen geben:

Tradition: Rechtswissenschaft hat eine jahrhundertealte schillernde Tradition. Ebenso die Roben und Perücken im englischen Gericht sowie die gepflegte Sprache – das Juristenenglisch – sind Teile der zu schützenden Tradition.

Bequemlichkeit: Oftmals befürchten Anwälte durch die Verwendung modernisierter Formulierungen aus dem Plain Legal English nicht den rechtlichen Bestimmungen der Gerichtshöfe zu entsprechen, daher versuchen sie mit traditionellen Formulierungen auf Nummer sicher zu gehen. Andere wiederum kopieren bereits vorhandene Verträge, und machen sich nicht die Mühe, diese umzuformulieren.

Selbstgefälligkeit: Für manchen Juristen ist es wichtig, gebildeter als der Otto Normalverbraucher zu erscheinen. Daher verwenden einige Juristen weiterhin die Juristensprache um ihren Mandanten zu imponieren und möglicherweise höhere Rechnungen zu rechtfertigen.

Einer der Gründe, warum ein Gesetz oft in einer komplizierten oder schwer verständlichen Sprache geschrieben wird, liegt in der Art und Weise, wie sich das Gesetz entwickelt.

Dies hilft, der Konsistenz im Laufe der Zeit aufrechtzuerhalten und Prozessbeteiligten, das Ergebnis des Falles vorherzusagen. Das sind gute Ziele. Aber einer der Nachteile von stare decisis ist, dass Worte und Sätze von vor hundert Jahren bei uns bleiben.

Ein weiterer Grund, warum das Gesetz so kompliziert ist, ist, dass sich Anwälte manchmal darüber streiten, was ein Wort oder ein Satz bedeutet. Wenn ein Wort oder ein Satz oder eine Phrase auf mehr als eine Weise interpretiert werden kann, müssen mehrere Wörter hinzugefügt werden, um sicherzustellen, dass sie wie vorgesehen interpretiert werden. Ein falsch interpretiertes Wort kann zu unbeabsichtigten Folgen führen.

Ein guter Anwalt, der ein juristisches Dokument schreibt, wird sich genau überlegen, ob und wie das Dokument in Zukunft falsch interpretiert werden könnte. Er wird während seiner Tätigkeit, alle möglichen Schutzmaßnahmen gegen alle möglichen Fehlinterpretationen ergreifen. Problem: So könnte ein kurzer Satz zu einem seitenlangen Absatz werden.

Ein dritter Grund, warum das Gesetz so kompliziert klingt, ist, dass sich die Begriffe im Laufe der Zeit weiter entwickelt haben. Eine bestimmte Phrase könnte eine bestimmte Bedeutung im Gesetz haben, die völlig anders ist als das, was es außerhalb des Gesetzes bedeutet.

Ein Beispiel dafür ist das Wort „weiter“. Im Alltag bedeutet etwas fortzusetzen, sprich weiterzumachen. Aber vor Gericht bedeutet es, etwas fortzusetzen, es für einen anderen Tag oder eine andere Zeit zu verschieben. Zum Beispiel könnte ein Anwalt beantragen, eine Anhörung bis zum Nachmittag fortzusetzen, weil sie einen dringenderen Auftritt in einem anderen Gerichtssaal an diesem Morgen hat.

Oder ein Wort wird vielleicht nicht im Alltag verwendet, aber es hat eine bekannte und leicht verständliche Bedeutung im Gesetz. Diese Wörter und Phrasen sind oft auf Lateinisch (siehe „stare decisis“ oben). Diese Wortverwendung bietet Anwälten oft Abkürzungen, aber sie können das Gesetz für einen Nicht-Anwalt verwirrend und kompliziert erscheinen lassen.

Schließlich ist ein weiterer Grund, warum das Gesetz so kompliziert ist, insbesondere im Strafrecht, ist die Verfassung. Die „Due-Process“ Klausel der Verfassung erfordert grundlegende Fairness. Das bedeutet, dass ein Angeklagter über mögliche Straftaten informiert werden muss. Das wiederum bedeutet, dass das Strafrecht nicht vage oder übertrieben sein darf oder verfassungswidrig gehalten wird. Gesetze werden oft auf komplizierte Weise geschrieben, um zu verhindern, dass dies geschieht.

1] Heyman, Seth: The history of Legalese. Legalese vs. Plain English. In: Biz Law Center. Stand: 18. September

  1. http://www.bizlawcenter.com/2012/09/18/the-history-of-legalese/ abgerufen am 16.November 2016.

[2] EULETA: Legal English Teacher Training Manual. http://euleta.org/wp-content/useruploads/EULETA-Manual-1st-Ed-Website.pdf abgerufen am 15. November 2016. S.25.

[3] Williams, Christopher: Legal English and Plain Language: An update. In: ESP Across Cultures. Stand: 2011.

http://edipuglia.it/wp-content/uploads/ESP%202011/Williams.pdf abgerufen am 16. November 2016. S. 1f.

[4] Williams, Christopher: Legal English and Plain Language: An update. In: ESP Across Cultures. Stand: 2011. S.11.

http://edipuglia.it/wp-content/uploads/ESP%202011/Williams.pdf abgerufen am 16. November 2016.

[5] Heyman, Seth: The history of Legalese. Legalese vs. Plain English. In: Biz Law Center. Stand: 18. September

  1. http://www.bizlawcenter.com/2012/09/18/the-history-of-legalese/ abgerufen am 16.November 2016.
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