Wie geht man mit Schnellsprechern um?

Laut Dr. Neil Bauman liegt die optimale Sprechgeschwindigkeit bei 180 Wörtern pro Minute[1] (wpm). Doch insbesondere Radio- und Fernsehmoderatoren, aber auch andere Menschen, sprechen wesentlich schneller und liegen bei 210 – 230 Wörtern pro Minute.

Kein Wunder, dass es Englischlernern häufig schwer fällt, Muttersprachler – insbesondere, wenn diese schnell sprechen – zu verstehen. Doch warum ist es so kompliziert sie zu verstehen?

 Zu schnelles Business Englisch – Ursache für Verständnisprobleme

Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben; zum einen kann es daran liegen, dass Sprachenlerner meist aus Textbüchern lernen, und sich demzufolge mehr mit geschriebenem als gesprochenem Englisch auseinandersetzen. Selbst wenn sie über einen großen Wortschatz verfügen und die Grammatik beherrschen, so fällt es ihnen häufig schwer gesprochenes Englisch zu verstehen. Je schneller der Sprecher spricht, desto weniger können sie dabei die einzelnen Wörter heraushören und in einen bedeutungsvollen Kontext bringen. Weiterhin kann auch ein distinktiver Akzent eines spezifischen Englischen Dialekts eine weitere Ursache für ein schwieriges Verständnis sein. Auch Hintergrundgeräusche und die Entfernung zum Lärmpegel spielen eine entscheidende Rolle bezüglich des Hörverständnisses.

Im Folgenden erhalten Sie einige Tipps und Hinweise, wie Sie Ihr Hörverstehen verbessern können, mit besonderem Augenmerk auf Amerikanisches Englisch.

Schnellsprecher direkt ansprechen

Sollte ein Gesprächspartner zu schnell sprechen, dann ist eine einfache und naheliegende Möglichkeit, den Sprecher freundlich darauf anzusprechen und höflich zu bitten langsamer zu sprechen. Glauben Sie nicht, dass Sie alles auf Anhieb vertehen sollten und müssen. Es ist Ihr gutes Recht, durch eine geschickte Fragen Missverständnisse zu vermeiden. Ein Satz wie: „I don’t quite follow you. Please give me a simple overview/explanation. Thank you so much.“ wirkt wunder.

Vorbereitung und Übung

Um Verständnisprobleme vorzubeugen, und Muttersprachler nicht stets darum bitten zu müssen, langsamer zu sprechen,  ist es sinnvoll sich so viel wie möglich mit der Sprache auseinanderzusetzen [2] und sich gut vorzubereiten. Um dieses Ziel zu erreichen, können verschiedene Lerntechniken und Medien herangezogen werden, um das Hörverständnis zu verbessern. Ferner gibt es auch Materialen und Medien, um verschiedene distinktive Akzente der verschiedenen Englischen Dialekte zu besser zu verstehen. Es empfiehlt sich Podcasts[3] zu folgen, Hörbücher zu hören sowie YouTube Videos, Filme, Dokumentationen und Nachrichten auf Englisch zu schauen.

Ferner gibt es beispielsweise auf Englisch-Lernen-Online, zahlreiche Übungen mit Hörbeispielen[4], um das Hör- und Leseverstehen zu üben. Außerdem werden hilfreiche Hinweise gegeben, wie man 3 verschiedene Hörstrategien[5] richtig einsetzt:

1.       Sich auf die Hauptpunkte konzentrieren.

2.       Spezifische Informationen hören.

3.       Detailliertes Hören.

 5 Tipps, um einen Schnellsprecher besser zu verstehen

1.      Abkürzungen erkennen

Insbesondere Kurzformen sind für Nicht-Muttersprachler häufig schwierig zu verstehen. Hinzukommt, dass einige Wörter und Kurzformen durch die Aussprache ihren Originalklang verändern. Ferner gibt es im Amerikanisch Englisch weitere umgangssprachliche Kurzformen wie gonna, wanna und gotta.

·         Going to – gonna

·         Want to – wanna

·         Got to – gotta

·         Let – Lemme

·         You – ya

·         I would – I’d

·         He would –  He’d

2.      Auf unbetonte Konsonanten achten

Dies sind Konsonanten, die im Wort enthalten sind, aber nicht ausgesprochen werden. Oftmals sind Konsonanten am Wortanfang und –ende, sowie in der Mitte des Worts nicht hörbar. Aus „A bowl of strawberries“ wird somit „A bowl ‘ strawberries“

3.      Auf Wörter mit Betonung achten

Achtet man auf die betonten Wörter in einem Satz von einem Schnellsprecher, und versteht diese, so hat man den Großteil des Satzinhalts bereits verstanden. Betonte Vokale[6] sind in der Regel lauter und länger. Im Englischen werden Nomen, Hauptverben, Adjektive und Adverbien betont, und Pronomen, Hilfsverben, Bestimmungswörter, Konjunktionen und Präpositionen bleiben unbetont: „I’ll bring the cake into the kitchen in the Town Hall“.

4.      Wortendungen

Erscheint ein T am Wortende und ein weiteres T am Wortanfang des nächsten Wortes, so verschmelzen die beiden Laute zu einem T-Laut[7]: „What time?“ wird zu „Wha‘ time?“, „That table“ wird zu „Tha‘ table“.

Ebenso kann das G bei der Endung –ing unbetont sein, sodass man es gar nicht oder kaum hört: Walkin‘, singin‘, dancin‘ und rainin‘ usw.

5.      T wird zu D

In vielen Englischen Dialekten klingt das T häufig wie ein D, beispielsweise in Water, das häufiger klingt wie „Wa der“. Abhängig von den Buchstaben und Phonemen vor und nach dem Wort, kann dies ebenso Auswirkungen auf die Aussprache des Satzes haben: Try to get a cup of tea (Try to gedda cup of tea).

Wie man aufhört, sich Gedanken über Fehler im Englischen zu machen

Es gibt zahlreiche Menschen, die Angst vor Fehlern haben[8] und nach Martin Antony, Ph.D, Professor der Psychologie an der Ryerson Universität und Autor von „When Perfect Isn’t Good Enough“, sind unsere Ängste von unserer genetischen und biologischen Konstitution sowie unseren Erfahrungen beeinflusst.

Diese Ängste kennen auch viele Englischlerner, denen es unangenehm ist vor anderen zu sprechen, da sie zu besorgt sind Fehler zu machen. Doch jeder weiß, dass die Sprachkompetenz und das Ergebnis einer nahezu fehlerfreien Grammatik und Aussprache nur durch Sprachübung erreichbar ist. Die Sprachverweigerung ist lediglich kontraproduktiv für das Sprachenlernen.

  1. Aus Fehlern lernen

Angst vor Fehlern ist natürlich, und ein ebenso natürlicher Prozess des Lernens, und Fehler sind nur schlimm, wenn man nicht aus ihnen lernt. Es spielt keine Rolle, ob das Vokabular eventuell begrenzt, die Aussprache nicht hundertprozentig richtig und die Grammatik nicht perfekt ist. Wichtig ist es nur, dass man so oft wie möglich Sprechgelegenheiten schafft und dabei Muttersprachlern zuhört, um typische Satzstrukturen und Redewendungen zu erkennen. Lernen Sie von ihnen, aber vergleichen Sie sich keinesfalls[9] mit ihnen. Denn so hört man eigene Fehler heraus und kann diese verbessern. Hat man einen Sprachtandempartner oder kennt man seinen Sprachpartner besser, kann man ihn/sie freundlich darum bieten einen auf die Fehler hinzuweisen. Die meisten Muttersprachler helfen Sprachlernern[[10]] bei grammatikalischen Fragen gerne weiter, solange der natürliche Kommunikationsfluss nicht unermesslich gestört wird.

  1. Körpersprache ändern

Seien Sie selbstbewusst und richten Sie ihren Körper beim Sprechen auf. Verkrümmen Sie nicht Ihren Oberkörper und nuscheln Sie keinesfalls. Dies irritiert Ihr Gegenüber lediglich und lässt Ihren Gesprächspartner eventuell das Interesse und die Aufmerksamkeit verlieren, was Sie nur mehr verunsichert. Nach Ivan Ottinger ist es ratsam eine selbstbewusste Haltung[11] einzunehmen sowie klar und deutlich mit aufgerichtetem Oberkörper zu sprechen – Brust raus, Schultern nach hinten, Kopf aufgerichtet. Zum Thema wie unsere Körperhaltung das Gesagte übermittelt, gibt es einen interessanten TED Talk von Amy Cuddy: Your body language shapes who you are[12].

  1. Kommunikation – so viel mehr als nur Worte!

Denken Sie daran, dass Kommunikation so viel mehr als nur Worte[13] ist, denn ein Großteil unserer Kommunikation wird über Körperhaltung, Mimik und Gestik übermittelt. Selbst wenn man nicht die richtigen Worte findet, und absolut professionell klingen mag, so ist ein fröhlicher Gesichtsausdruck und eine freundliche Intonation der Worte wesentlich wichtiger für eine gelungene Kommunikation. Seien Sie nicht frech, überheblich oder arrogant, sondern lächeln Sie und bleiben Sie stets freundlich! Selbst wenn sie einmal nicht die passenden Worte wählen, wird ihr Gegenüber Verständnis dafür haben. Behalten Sie also stets im Hinterkopf, dass Muttersprachler mehr in ihrem Gespräch sehen als Worte, dabei geht es vor allem um Ihre positiven Emotionen (Begeisterung, Freude, positive Ausstrahlung).

  1. Den Fokus ändern

Im Englischen gibt es eine Redewendung „Fake it ‚till you make it[14]“. Kurz gesagt bedeutet das einfach, dass Sie vortäuschen, es gut genug zu können, um sich sicherer zu fühlen. Irgendwann wird die gefälschte Selbstsicherheit in wirklich professionelles Selbstbewusstsein übergehen.                                                            Denken Sie nicht darüber nach, welche Fehler Sie machen könnten, sondern drehen Sie einmal den Spieß um und seien Sie davon überzeugt, eine grandiose Unterhaltung zu haben. Konzentrieren Sie sich auf das Kommunikationsziel, die positiven Emotionen während der Unterhaltung haben Sie Freude an der Unterhaltung mit einem anderen Menschen!

Lassen Sie sich nicht von Ihrem Perfektionismus und Ihrer Angst [15] daran hindern, Englisch zu lernen und durch die Weltsprache mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, denn die Mühe lohnt sich!

[1] Bauman, Neil: Speech Speed vs. Understanding what was said. In: Hearing Loss Help. Stand: n.a. http://hearinglosshelp.com/blog/speech-speed-vs-understanding-what-was-said/(abgerufen am 18. September 2016). 

[2]Gelman, Gabriel: 7 Tipps für ausgezeichnetes Hörverständnis in jeder Sprache. In: Sprachheld. Stand: 2. April 2015.  https://www.sprachheld.de/7-tipps-fuer-ausgezeichnetes-hoerverstaendnis-in-jeder-sprache/  (abgerufen am 18. September 2016).

[3] Authentic Journeys: I can’t understand when Americans talk fast! Please help!. In: Authentic Journeys. Stand: n.a. http://blog.authenticjourneys.info/2013/05/i-cant-understand-when-americans-talk.html (abgerufen am 18. September 2016).

[4] English-Lernen-Online: Übungen. Stand: n.a. http://www.englisch-lernen-online.de/hoerverstehen/story-der-sprachreise-story-of-the-language-course/ (abgerufen am 18. September 2016).

[5] English-Lernen-Online: Listening Strategies. Stand: n.a. http://www.englisch-lernen-online.de/hoerverstehen/hoerstrategien-listening-strategies/ (abgerufen am 18. September 2016).

[6] OnTargetEnglish: 7 Listening Skills for Understanding spoken English. In: OnTargetEnglish. Stand: 3. Juni 2013. http://www.ontargetenglish.com/posts/7-listening-skills-for-understanding-spoken-english (abgerufen am 18. September 2016).

[7] Simpson, Marla: Tips for understanding fast English and Speaking with an American Accent. In: ConversationsDirect. Stand: n.a. http://www.conversationsdirect.com/index.php?option=com_content&view=article&id=140%25253Atips-for-understanding-fast-english-and-speaking-with-an-american-accent-&catid=68%25253Aarticles&Itemid=149&lang=en  (abgerufen am 14. September 2016).

[8] Tartakovsky, Margarita: Overcoming the fear of making mistakes. In: PsychCenter. Stand: 17. Juli 2016. http://psychcentral.com/lib/overcoming-the-fear-of-making-mistakes/ (abgerufen am 09. September 2016).

[9] Ottinger, Ivan: „How to overcome the anxiety of speaking a foreign language?“. In: English the smart way. Stand: n. a. http://englishthesmartway.com/content/how-overcome-anxiety-speaking-foreign-language (abgerufen am 09. September 2016).

[10] Q Language: „Don’t be afraid of making mistakes when learning English – Mistakes are GOOD!“. In: QLanguage. Stand: 28. Juni 2013. http://www.qlanguage.com.hk/dont-be-afraid-of-making-mistakes-when-learning-english/ (abgerufen am 09. September 2016).  

[11] Ottinger, Ivan: „Fear of making mistakes | Anxiety of speaking a foreign language | My story?“. In: English the smart way. Stand: n. a. http://englishthesmartway.com/content/etsw-2-fear-making-mistakes-anxiety-speaking-foreign-language-my-story (abgerufen am 09. September 2016).

[12] Cuddy, Amy: „Your body language shapes who you are“. In: TED. Stand: n.a. http://www.ted.com/talks/amy_cuddy_your_body_language_shapes_who_you_are?language=en (abgerufen am 09. September 2016)

[13] Kukurs, Robby: „Conquer your fear of making mistakes when speaking English!“ In: English Harmony. Stand: 27. November 2010. http://englishharmony.com/conquer-fear-of-making-mistakes-when-speaking-english/ (abgerufen am 09. September 2016). 

[14] Phrasemix: How to build my English speaking confidence. In: Phrasemix. Stand: n.a. http://www.phrasemix.com/answers/how-do-i-build-my-english-speaking-confidence (abgerufen am 09. September 2016)

[15] Tache, Oceane: „10 Schritte zur Bewältigung Ihrer Angst beim Sprechen einer Fremdsprache“. In: ESL Blog. Stand: 30. Januar 2015. http://blog.esl.de/blog/sprachen-lernen/angst-fuerchten-sprechen-fremdsprache/ (abgerufen am 09. September 2016).

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